Ausbruchdatenblatt
Unter einem Ausbruch versteht man das Auftreten von mindestens zwei Krankheitsfällen oder Infektionen mit einem bestimmten Erreger, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang wahrscheinlich ist.
Die Erfassung der Daten eines Ausbruchs erfordert sowohl die Erfassung der Fälle eines Ausbruchs mit allen Merkmalen der Fälle (fallbezogene Daten), als auch die Erfassung weiterer Merkmale, die nur als summarische Information für den Ausbruch insgesamt erhoben werden (ausbruchsbezogene Daten).
Ausbruchsdatenblatt
Das Datenblatt zur Ausbruchserfassung gliedert sich in folgende Abschnitte (Fenster):
| Seitenpanel (links) | Bearbeitungsbereich |
|---|---|
Die
Ausbruchsübersicht gibt einen Überblick über die Anzahl der direkt oder indirekt
(d.h. über Unterausbrüche) enthaltenen Fälle sowie ggf. über die Verbindung zu einem über-geordneten Ausbruch.
INFO Ausbrüche und die darin enthaltenen Fälle werden standardmäßig übermittelt. Dies ist im Register Allgemein, Gruppe Transport der Multifunktionsleiste durch die aktivierte Schaltfläche
Erzwingen kenntlich gemacht. Bei Bedarf kann der Transport eines Ausbruchs und seiner Fälle durch Abwahl der Schaltfläche deaktiviert werden.
Merkmale von Ausbrüchen
Aktenzeichen und Namen
Jeder neu angelegte Ausbruchs-Datensatz erfordert im Abschnitt
Zuordnung des Ausbruchs-Datenblattes die Angabe eines Aktenzeichens (Aktenzeichen), das entweder manuell vergeben oder vom System generiert werden kann. Das Standard-Format für automatisch generierte Aktenzeichen lautet:
[Type][Year]-[AutoIncrementPerYearAndType]
z.B. Outbreak2015-0005
Durch den Zähler [AutoIncrementPerYearAndType] werden Ausbrüche jährlich fortlaufend nummeriert. An Stelle des Datensatztyps [Type] kann auch die Ausbruchskategorie, also:
[OutbreakCategory]-Ausbruch-[Year]-[AutoIncrementPerYearAndType]
z.B. SAL-Ausbruch-2015-0005
verwendet werden. Dabei muss das Aktenzeichen jedoch nach Einfügen der Fälle
neu generiert/ aktualisiert werden, da erst dann die Ausbruchskategorie feststeht. Ein automatisch vergebenes Aktenzeichen kann auch manuell bearbeitet, z.B. durch den 3-Steller der Ausbruchskategorie ergänzt werden.
Neben dem Aktenzeichen stehen für einen Ausbruch noch vier weitere Möglichkeiten der Benennung zur Verfügung:
Interner Name
Name im Gesundheitsamt
Name in der Landesstelle
Name im RKI
Der interne Name darf Rückschlüsse auf das Umfeld des Ausbruchs zulassen. Da er nicht übermittelt wird, kann er z.B. den Namen der Einrichtung, oder der betroffenen Familie enthalten. Sofern er vergeben wird, erscheint der interne Name an Stelle des Aktenzeichen in der
Ausbruchsübersicht, im Register des Ausbruchs-Datenblattes und in der Liste der zuletzt geschlossenen Datensätze.
Der Name im Gesundheitsamt sollte bei überregionalen Ausbruchsgeschehen vergeben werden, damit Ausbruchsgeschehen, die über den Zuständigkeitsbereich eines Gesundheitsamt hinausgehen (und dementsprechend auch als ‚überregional’ gekennzeichnet sein sollten), in der Landesstelle leichter zusammengeführt werden können. Dazu sollte das Gesundheitsamt, in dessen Zuständigkeitsbereich der Ausbruch seinen Ursprung nahm, den Gesundheitsämter, die ebenfalls betroffen sind, den von ihm verwendeten Namen im Gesundheitsamt mitteilen, damit diese die identische Bezeichnung verwenden.
Falls der Ausbruch über die Grenzen eines Bundeslandes hinausgeht, kann die Landesstelle einen eigenen Namen in der Landesstelle vergeben, den sie dann den ebenfalls betroffenen Landesstelle mitteilt. Damit können die auf Ebene der Landesstellen angelegten Ausbrüche am RKI leichter als zusammengehörig erkannt werden.
Wird ein Ausbruch erst auf Ebene des RKI festgestellt, kann dort ein Name im RKI vergeben werden. Dieser wird jedoch nicht an die Landesstelle und Gesundheitsämter übermittelt und dient nur zur internen Kennzeichnung.
INFO Verwenden Sie bei manueller Vergabe des Aktenzeichen sowie bei Vergabe eines Namens im Gesundheitsamt keine datenschutzrelevanten Informationen (z.B. Namen von Patienten, Einrichtungen oder Straßen), da beide Angaben übermittelt werden.
Kategorie
Die Kategorie eines Ausbruchs wird automatisiert aus der Übermittlungskategorie der darin enthaltenen Fälle ermittelt und in der
Ausbruchsübersicht angezeigt. Meist stimmen also die Fall-Übermittlungskategorie und die Ausbruchs-Kategorie überein (z.B. enthält ein Salmonella-Ausbruch nur Salmonella-Fälle; ein „EHEC/HUS”-Ausbruch” kann sowohl EHEC-Fälle, als auch HUS-Fälle enthalten).
Treten in einem Ausbruchs-Geschehen Fälle unterschiedlicher Übermittlungskategorien auf, so sollten diese in jeweils eigenen Ausbrüchen erfasst werden. Durch Anlegen eines übergeordneten Ausbruchs können die Fälle verschiedener Übermittlungskategorien anschließend indirekt zusammengefasst werden. Die untergeordneten Ausbrüche stehen damit für separate Auswertungen zur Verfügung.
Da ‚gemischte’ Ausbrüche mit direkt enthaltenen Fällen verschiedener Übermittlungskategorien zu vermeiden sind, folgt auch, dass ein Fall, dessen Übermittlungskategorie sich erst nach der Zuordnung zu einem Ausbruch (z.B. durch Labornachweis) ändert, aus dem Ausbruch entfernt werden sollte, es sei denn die vorliegende epidemiologische Evidenz spricht für eine gemeinsame Übertragung verschiedener Erreger (z.B. durch fäkal kontaminiertes Trinkwasser).
Werden Fälle verschiedener Übermittlungskategorien dennoch direkt oder durch Anlegen eines übergeordneten Ausbruchs zu einem Ausbruch zusammengefasst, so erhält dieser die Kategorie Allgemeiner Ausbruch. Werden Fälle verschiedener Gastoenteritis-Erreger zusammengefasst, so erhält dieser Ausbruch die Kategorie ‚Gastroenteritis-Ausbruch’.
Ändert sich durch einen Labornachweis nach Anlegen des Ausbruchs die Ausbruchskategorie, kann die Neuberechnung derselben über die Schaltfläche Ausbruchskategorie neu berechnen in der Ausbruchsübersicht manuell angestoßen werden
Meldedaten- und Erkrankungszeitraum
Die Dauer eines Ausbruchs-Geschehens definiert sich über den zuerst und den zuletzt aufgetretenen, darin enthaltenen Fall. An Hand der vorhandenen Angaben zum Melde- und Erkrankungsdatum aller in einem Ausbruch vorhandenen Fälle werden
der Meldedatenzeitraum (erste Fallmeldung - letzte Fallmeldung im Ausbruch) und
der Erkrankungszeitraum (frühester - spätester Erkrankungsbeginn der zugeordneten Fälle)
für den Ausbruch ermittelt und in der
Ausbruchsübersicht dargestellt.
Neben dem Meldezeitraum und dem Erkrankungszeitraum wird von SurvNet@RKI der Bezugstag des Ausbruchs automatisch berechnet und für Auswertungszwecke bereitgehalten. Der Beginn (Bezugstag) eines Ausbruchs wird über den am frühesten aufgetretenen Fall festgelegt. Dabei werden nur Fälle betrachtet, die der Referenzdefinition gemäß Falldefinitionen genügen. Liegt kein Fall vor, der die Referenzdefinition erfüllt, so werden alle Fälle eines Ausbruchs betrachtet. Der Bezugstag eines Falles (Datum des Auftretens des Falles) ist gegeben durch eines der folgenden, in dieser Reihenfolge zu verwendenden, Merkmale:
das Erkrankungsdatum des Falles (nur bei einer taggenauen Angabe)
das früheste Diagnosedatum des Falles
das Meldedatum des Falles (dieses liegt bei jedem Fall vor)
Der Beginn des Ausbruchs bestimmt die Zuordnung des Ausbruchs zu einem bestimmten Jahr. Infolge dieser Festlegungen kann es vorkommen, dass ein Ausbruch einem Jahr zugerechnet wird, in dem nur ein Bruchteil (die ersten) seiner Fälle erkrankt sind, während die Mehrzahl der darin enthaltenen Fälle für das Folgejahr registriert wurden.
INFO Nach Bearbeitung, Hinzufügen, oder Entfernen von Fällen kann sich der Bezugstag des Ausbruchs ändern.
Anzahl der Fälle
In der
Ausbruchsübersicht wird die Gesamtzahl der im Ausbruch enthaltenen Fälle angezeigt. Die Zahl der darunter als hospitalisiert bzw. verstorben übermittelten Fälle wird separat ausgewiesen. Zusätzlich wird angegeben, wie viele der Fälle als klinisch, labordiagnostisch und/oder epidemiologisch bestätigte Fälle gelten. Dabei wird nicht unterschieden, ob die Bestätigung unter Berücksichtigung der jeweiligen Falldefinitionen berechnet oder ob sie manuell vergeben wurde.
Werden nach Öffnen des Ausbruchs-Datenblattes Veränderungen an enthaltenen Fällen oder Ausbrüchen vorgenommen, werden diese nicht automatisch in der
Ausbruchsübersicht berücksichtigt. Um die Anzeige zu aktualisieren, betätigen Sie die Schaltfläche
Aktualisierung oder speichern Sie den Ausbruch.
INFO Jeder Fall, der in einen Ausbruch aufgenommen wird, erfährt durch die Verknüpfung zwischen Fall und Ausbruch seine (berechnete) epidemiologische Bestätigung. Ausnahmen bilden hier Erkrankungen, für die laut Falldefinition eine epidemiologische Bestätigung entfällt. Der Name/das Aktenzeichen des Ausbruchs wird automatisch in die epidemiologischen Informationen im Fall-Datenblatt übernommen.